Warum Wiederholung bei Autismus oft entlastet
Viele Familien kennen das Muster: Eine Serie wird nicht nur „nochmal“ geschaut, sondern immer wieder, manchmal über Wochen. Gerade Formate wie die Sesamstraße passen hier oft gut, weil sie klar aufgebaut sind, mit vertrauten Stimmen, wiederkehrenden Elementen und einer Erzählweise, die selten überraschend kippt. Für viele Kinder mit Autismus ist genau diese Verlässlichkeit ein spürbarer Vorteil, weil weniger Energie dafür verloren geht, ständig Neues einzuordnen. Was für andere nach Langeweile aussieht, kann in Wahrheit Stabilität bedeuten.
Wiederholung hat dabei nicht nur mit Gewohnheit zu tun, sondern auch mit Vorhersehbarkeit. Wenn eine Folge bekannt ist, sind Reaktionen und Geräusche erwartbar, und der Kopf muss nicht dauerhaft auf Alarm stehen. Das kann besonders an Tagen helfen, an denen ohnehin schon viel gleichzeitig passiert, etwa nach Schule, Terminen oder sozialen Situationen, die Kraft gekostet haben.
Komfort Serien: Was vertraute Folgen im Alltag leisten
Komfort Serien sind für viele eine Art Pause, die ohne große Vorbereitung funktioniert. Es gibt keine Angst vor einer unangenehmen Wendung, keine Unklarheit, ob etwas peinlich wird oder emotional überfordert, und auch keine Notwendigkeit, permanent aufmerksam zu bleiben, um „mitzukommen“. Manche Kinder nutzen solche Serien, um runterzufahren, andere, um sich zu fokussieren, wieder andere, um Übergänge leichter zu machen, zum Beispiel vom Heimkommen in den Nachmittag. Das wirkt oft am stärksten, wenn es regelmäßig passiert und nicht jedes Mal neu ausgehandelt werden muss.
Wichtig ist dabei: Das Ziel muss nicht sein, die Wiederholung zu „brechen“. Sinnvoller ist zu schauen, ob die Serie ihrem Zweck dient. Entlastet sie, macht sie den Alltag planbarer, sorgt sie für mehr Ruhe. Dann erfüllt sie eine Funktion, die man respektieren kann.
Wann es kippt und was dann hilft
Kritisch wird es eher dann, wenn Schlaf leidet, wenn Essen und Bewegung dauerhaft verdrängt werden oder wenn die Serie zur einzigen Strategie wird, mit Stress umzugehen. Dann lohnt sich ein ruhiger Blick auf den Alltag insgesamt: Ist gerade zu viel los. Fehlen Pausen. Ist der Tag zu unberechenbar. Häufig hilft nicht „weniger Serie“ als erstes, sondern ein besserer Tagesrhythmus mit mehreren sicheren Inseln, damit Medien nicht allein die ganze Stabilität tragen müssen.
JuCare: Nächste Schritte
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Wenn Sie sich außerdem weiter einlesen möchten: Im Beitrag „Stimming verstehen: Sensorische Selbstregulation bei Autismus“ geht es vertiefend um Reizverarbeitung, Selbstregulation und alltagstaugliche Einordnung.


