Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter

Immer mehr Erwachsene erhalten erst im Erwachsenenalter eine Autismus-Diagnose – oft nach Jahrzehnten des „Masking“ und zahlreicher Fehldiagnosen. Was diese späte Erkenntnis für Betroffene bedeutet und warum die Wartezeiten dramatisch sind.

Jahrelang falsch verstanden

Viele Erwachsene mit Autismus haben jahrzehntelang versucht, sich anzupassen. Sie haben gelernt, Augenkontakt vorzutäuschen, soziale Regeln auswendig zu lernen und ihre Überforderung zu verstecken – Fachleute nennen dieses Phänomen „Masking“. Die Folge: Häufig werden Depression, Angststörung, Borderline oder ADHS diagnostiziert, während der eigentliche Autismus unerkannt bleibt. Besonders Frauen und Mädchen werden übersehen, da sie oft besser kompensieren können.
Die Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter erleben viele Betroffene als Befreiung und Neustart. PD Dr. Schöttle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erklärt im AOK-Magazin: Die Diagnose gibt endlich einen Namen für das, was immer da war. Statt „Warum bin ich so anders?“ heißt es plötzlich „Ich bin nicht kaputt, ich bin autistisch.“ Diese Erkenntnis kann zu mehr Selbstakzeptanz, gezielter Therapie und besserem Stressmanagement führen.

Das Problem: Über zwei Jahre Wartezeit
Die Kehrseite: In Deutschland warten Erwachsene aktuell über zwei Jahre auf einen Diagnostik-Termin. Viele Praxen haben geschlossene Wartelisten. Der Sozialverband VdK fordert dringend mehr Diagnostik-Angebote. Ein Hoffnungsschimmer: Das vom Gemeinsamen Bundesausschuss geförderte Projekt „BarriereASS“ erprobt 2025 neue Versorgungsmodelle an drei Standorten.

Fazit: Diagnose als Chance
Eine Autismus-Diagnose im Erwachsenenalter ist keine Katastrophe, sondern oft der Beginn eines selbstbestimmteren Lebens. Betroffene berichten: „Endlich verstehe ich mich selbst.“ Trotz langer Wartezeiten lohnt sich der Weg zur Diagnose für mehr Klarheit, passende Unterstützung und echte Selbstakzeptanz.

Nächste Schritte
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Quellen:
AOK Magazin – Wie sich hochfunktionaler Autismus anfühlt
autismus Deutschland e.V. – Diagnostik
EU-Schwerbehinderung – VdK fordert mehr Diagnostik bei Autismus