Den lauten Zusammenbruch kennen die meisten: Ein Kind schreit, weint, schlägt um sich und ist kaum noch zu erreichen. Was viel seltener auffällt, ist die leise Variante. Manche autistische Kinder verstummen in der überlastung, ziehen sich vollständig zurück und bewegen sich kaum noch. Das wird dann gern als „braves“ Verhalten oder als Müdigkeit gedeutet, was jedoch am Kern der Sache vorbeigeht. Meltdown und Shutdown sind dieselbe Überforderung. Nur die Art der Kommunikation nach außen ist ein anderer.
Was ist der Unterschied zwischen Meltdown und Shutdown?
Bei einem Meltdown entlädt sich die angestaute Reiz- und Stressbelastung nach außen, lautstark, körperlich und für alle ziemlich sichtbar. Beim Shutdown passiert im selben Moment das Gegenteil: Das System fährt herunter. Das Kind spricht nicht mehr, reagiert verzögert oder gar nicht und wirkt wie abgeschaltet. Mit Trotz hat beides nichts zu tun. Es sind Schutzreaktionen , vergleichbar mit einem Computer der bei Überhitzung herunterfährt, um Schlimmeres zu verhindern.
Warum wird der Shutdown so oft übersehen?
Weil er nicht stört. Ein Meltdown zwingt die Umgebung zu reagieren, ein Shutdown lässt sich leicht übersehen oder sogar als Erfolg missdeuten („endlich ruhig“). Dabei ist die innere Belastung mindestens genauso hoch. Denn gerade Kinder, die sich in der Schule den ganzen Tag zusammenreißen, Kippen häufig erst zu Hause in einen Shutdown, wenn die Anspannung nachlässt. Wer dann nur sieht, dass das Kind „nichts tut“ versteht nicht wie viel Kraft dieser Rückzug gerade kostet.
Was hilft in so einem Moment?
Vor allem eins: weniger. Weniger Reize, weniger Fragen, weniger Aufforderungen. Ein Meltdown braucht einen sicheren Raum, in dem nichts kaputtgehen kann und niemand zusätzlich auf das Kind einredet. Ein Shutdown braucht Geduld und das klare Signal, dass gerade nichts verlangt wird (z.B. eine ruhige Ecke, gedämpftes Licht, keine Aufforderung zu sprechen). Erst wenn das Nervensystem wieder heruntergefahren ist, lässt sich reden. Vorher nicht. Und im Nachhinein bringt jede Frage, welche vorher zu viel gewesen wäre, deutlich mehr als jede Ermahnung im Vorhinein.
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