Tiergestützte Therapie und ihre Vorteile bei Autismus

06.08.2025

Tiergestützte Therapie bei Autismus: Tiere öffnen Lernräume für soziale Entwicklung

Tiergestützte Therapie bei Autismus verbindet die beruhigende Präsenz von Tieren mit klaren Förderzielen. Aktuelle Forschung zeigt deutliche Fortschritte in den Bereichen Kommunikation, Emotionsregulation und Stressabbau. Familien, Lehrkräfte und Fachkräfte erhalten damit eine praxisnahe Methode, die Freude macht und gleichzeitig belastbare Effekte liefert.

Die Metaanalyse von Xiao et al. (2024) unterstützt die Annahme, dass tiergestützte Therapie bei Autismus sowohl die soziale Kommunikation verbessern als auch Reizbarkeit reduzieren und Hyperaktivität senken kann. Während Kinder mit Pferden, Hunden oder Kleintieren interagieren, steigt die nachweisbare Oxytocin-Ausschüttung. Durch diese hormonelle Veränderung wird die Bindung gestärkt, was die enge Verbindung zu Tieren erklärt.

Wie tiergestützte Intervention wirkt
Tiergestützte Intervention nutzt multisensorische Reize. Das weiche Fell eines Hundes beruhigt, der gleichmäßige Atem eines Kaninchens vermittelt Sicherheit. Auch therapeutisches Reiten stimuliert Gleichgewicht und Tiefensensibilität. Regelmäßiger Kontakt zu Tieren kann die Impulskontrolle fördern, was wiederum weniger Wutanfälle und mehr Ausdauer im Unterricht begünstigen kann.

Hundegestützte Therapie als Einstieg
Mit zertifiziertem Fachpersonal zeigt hundegestützte Therapie zeitnah wirksame Ergebnisse. Ein Therapiehund bietet einen gemeinsamen Fokus; Lernende üben, Fragen zu stellen, Befehle zu geben und Lob zu formulieren. Lehrkräfte beobachten, wie sich Impulse besser steuern lassen und wie Schüler:innen ruhiger abwarten. Zwei wöchentliche Einheiten reichen bereits aus, um Hyperaktivität messbar zu senken.

Therapeutisches Reiten stärkt Körper und Seele
Beim therapeutischen Reiten tragen rhythmische Bewegungen zur Rumpfstabilität bei. Auf dem Pferderücken fühlen sich Jugendliche größer und selbstbestimmter. Die nonverbale Kommunikation mit dem Pferd – etwa über Körperspannung und Zügelführung – stärkt Körperwahrnehmung, Haltung und das Selbstwirksamkeitserleben. Eltern berichten von entspannteren Hausaufgabensituationen und verbessertem Schlaf.

Tiergestützte Therapie Autismus in der Schule
Immer mehr Einrichtungen etablieren Tiere in der Schule. Ein Kaninchengehege auf dem Schulhof oder regelmäßige Hundebesuche schaffen einen Ort der Ruhe. Leseförderprogramme, bei denen Kinder Tieren vorlesen, senken die Hemmschwelle, laut zu sprechen. Schulbegleitungen erleben, wie das Klassenklima harmonischer wird, wenn Verantwortung für Lebewesen geteilt wird.

Stressabbau durch Tiere im Alltag fördern
Auch zu Hause können Familien einen Stressabbau durch Tiere fördern. Ein Aquarium oder kurze Spaziergänge mit dem Hund der Nachbarn bieten regelmäßige Entspannungspausen. Fachkräfte unterstützen bei der Wahl eines passenden Tieres und achten auf Allergien sowie Zeitressourcen, damit die neue Aufgabe Freude statt Überforderung bringt.

Fazit
Tiergestützte Therapie bei Autismus eröffnet alltagsnahe Wege, soziale Kommunikation zu verbessern und emotionale Stabilität aufzubauen. Ob hundegestützte Therapie oder therapeutisches Reiten, Tiere wirken als Brücke zwischen therapeutischen Zielen und kindlicher Neugier. Die wissenschaftliche Evidenz legt nahe, diese Methode als festen Baustein moderner Förderpläne zu verankern.

Mit JuCare den Weg begleiten
Sie möchten gerne unseren Therapiehund Frodo oder weitere kreative Interventionen kennenlernen? Kontaktieren Sie uns jederzeit über unsere JuCare Website. Auf Instagram teilen wir Einblicke aus dem Praxisalltag: @jucare_autism. Gemeinsam bringen wir Schule mit Tieren und andere innovative Ansätze in Ihren Alltag.

Quellen
Xiao J.; Qi S.; et al. Animal-Assisted Interventions Improve Social Communication and Reduce Maladaptive Behaviors in Autism Spectrum Disorder: A Meta-Analysis. Frontiers in Psychiatry. 2024.

Weiterlesen

Autistisches Burnout – oft mit Depression verwechselt

Autistisches Burnout – oft mit Depression verwechselt

Ein Jugendlicher, der jahrelang gute Leistungen in der Schule erbracht hat, schafft es plötzlich kaum noch, aus dem Bett zu kommen. Er redet weniger als früher, vergisst Termine und hält den Lärm in der Mensa nicht einmal zehn Minuten lang aus. Das sieht nach einer...

Ju-topia 2030: Schulbegleitung der Zukunft bei JuCare

Ju-topia 2030: Schulbegleitung der Zukunft bei JuCare

Schulbegleitung findet an vielen Schulen gleichzeitig statt. Der Austausch im Team läuft das ganze Jahr über, im Coaching, in Fallbesprechungen und im Kontakt mit den Teamleitungen. Was es nur einmal im Jahr gibt, ist der Moment, in dem wirklich alle im selben Raum...

Keine Worte für Gefühle – Alexithymie

Keine Worte für Gefühle – Alexithymie

Auf die Frage „Wie geht es dir?" kommt bei manchen Kindern nach langem Zögern nur ein „weiß nicht". Andere spüren am Bauchweh, dass etwas nicht stimmt, können aber nicht sagen, ob es Angst, Wut oder Traurigkeit ist. Dafür gibt es einen eigenen Begriff, der wörtlich...

Schulpause bei Autismus: die härteste Stunde des Tages

Schulpause bei Autismus: die härteste Stunde des Tages

Fragt man Kinder nach ihrer Lieblingszeit in der Schule, kommt erstaunlich oft die Pause. Endlich raus, endlich laut sein, endlich nicht mehr stillsitzen. Für viele autistische Kinder kann genau dieser Teil des Schultags der anstrengendste sein. Was für die anderen...