In vielen Familien wird der Zahnarzttermin schon Wochen im Vorhinein im Kalender vermerkt und bereitet allen Bauchschmerzen. Bei Kindern mit Autismus endet der Besuch oft in Tränen, zusammengebissenen Kiefern oder dem Versuch, die Instrumente aus dem Mund zu stoßen. Eine amerikanische Studie untersuchte, ob sich dies durch eine Neugestaltung des Behandlungszimmers ändern lässt.
Warum ist der Besuch beim Zahnarzt so schwer zu ertragen?
Weil dort fast alles zusammenkommt, was ein empfindliches Nervensystem überfordert. Ein grelles Neonlicht strahlt von oben, die Werkzeuge des Zahnarztes surren in einer Frequenz, die im gesamten Schädel nachhallt, der Stuhl kippt nach hinten, und ungewohnte Hände arbeiten im Mund. Ein Kind, das Reize ohnehin ungefiltert aufnimmt, wird von all dem auf einmal überrollt. Was von außen wie Panik oder Widerstand aussieht, ist oft der Versuch, eine Situation zu beenden, die körperlich fast unerträglich ist.
Was genau umfasste die Studie?
162 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren erhielten jeweils zwei Zahnreinigungen – eine in einem normalen Behandlungsraum und eine in einer sensorisch angepassten Umgebung. In der sensorisch angepassten Umgebung wurde das Licht mithilfe von Verdunkelungsvorhängen gedämpft, während die Zahnärzte mit Lupen mit integrierter Beleuchtung arbeiteten. An die Decke wurde eine Zeitlupenaufnahme aus der Unterwasserwelt oder ein Farbenspiel, das an eine Lavalampe erinnerte, projiziert, begleitet von sanften Naturgeräuschen und Klaviermusik. Ein schwerer Röntgenschutzrock wurde dem Kind auf die Brust gelegt, und ein Tuch wurde so um den Stuhl und das Kind gewickelt, dass es sich wie eine Umarmung anfühlte. Mithilfe von Elektroden, die an den Fingern des Kindes angebracht waren, maßen die Forscher die Stressreaktion des Nervensystems. Die Ergebnisse waren eindeutig: In der angepassten Umgebung war der körperliche Stress messbar geringer, und auch das Abwehrverhalten nahm spürbar ab.
Was bedeutet das für den nächsten Termin?
Vor allem bedeutet es, dass mit sehr geringem Aufwand viel erreicht werden kann. Die Anpassungen kosteten fast nichts, erforderten keine spezielle Einweisung und verlängerten die Behandlungszeit nicht. Die jüngeren Kinder und diejenigen, denen die verbale Kommunikation schwerer fällt, profitierten am meisten davon. Für Eltern lohnt es sich daher, in der Praxis nachzufragen, ob das Licht gedimmt werden kann, ob sie eigene Kopfhörer mitbringen dürfen oder ob die Bleischürze auch ohne Röntgenaufnahme genutzt werden kann.
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Was beim Zahnarzt gilt, gilt in vielen Alltagssituationen: Kleine Anpassungen machen den Unterschied. Wie wir Kinder und Familien dabei begleiten, steht auf unserer Seite zur Autismustherapie. Eine Therapie können Sie hier direkt anfragen.
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