Ein Kind sortiert seine Bücher im Regal nach Größe und Farbe, und wenn die kleine Schwester eins falsch zurückstellt, ist die Laune mit hoher Wahrscheinlichkeit im Keller. Spätestens dann fragen sich Eltern oft, ob das noch eine Eigenart ist oder schon ein Zwang. Von außen lässt sich das kaum beantworten, weil sich die Verhaltensweisen zum Verwechseln ähnlich sein können.
Woran merkt man den Unterschied?
Viele autistische Kinder präferieren meistens bereits bekannte Routinen, weil diese keine Überraschungen oder unbekannte Reize bereithalten. Solche Routinen fühlen sich für sie meistens stimmig an, sie machen den Tag vorhersehbar und halten die Überreizung in Grenzen. Wird eine davon unterbrochen, reagiert das Kind vielleicht gereizt oder überfordert, ohne dass dahinter die Angst vor einer Katastrophe steckt.
Wer eine Zwangsstörung hat und zum Beispiel jeden Lichtschalter in einer bestimmten Reihenfolge betätigen muss, weil sonst angeblich etwas Schlimmes passiert, empfindet dieses Ritual häufig selbst als absurd und quälend. Aufhören geht trotzdem nicht. Angetrieben werden solche Handlungen von Gedanken, welche vor allem die Angst und Unruhe vorbeugen sollen.
Ganz sauber trennen lässt sich das allerdings nicht immer. Unter Stress nehmen Wiederholungen in beiden Fällen zu, und nicht jedes autistische Kind erlebt seine Routinen als angenehm.
Warum ist das für die Therapie so wichtig?
Bei einer Zwangsstörung gilt die sogenannte Exposition mit Reaktionsmanagement als bewährter Weg. Betroffene lernen dabei in kleinen Schritten, das unangenehme Gefühl auszuhalten, ohne das Ritual auszuführen, bis es irgendwann von selbst abklingt. Würde man diesen Ansatz einfach auf eine autistische Routine übertragen, nähme man dem Kind etwas weg, das ihm eigentlich Halt gibt. Dort helfen eher planbare Abläufe und eine Umgebung mit weniger Reizen. Auch Stimming darf bleiben, weil es vielen autistischen Menschen beim Regulieren hilft.
Im Alltag können Eltern ihr Kind in solchen Momenten auch einfach fragen, ob ihm das gerade hilft. Die Antwort verrät oft eine ganze Menge. Wer eine Zwangsstörung vermutet, findet Unterstützung in Praxen und Ambulanzen, die Erfahrung mit Autismus und mit Zwängen haben.
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Ob hinter einem Verhalten Halt oder Angst steckt, entscheidet darüber, was einem Kind wirklich hilft. Wie wir das gemeinsam mit Familien einordnen, steht auf unserer Seite zur Autismustherapie. Eine Therapie können Sie hier direkt anfragen.
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