Manche Kinder sagen Sätze, bei denen Erwachsene erst einmal stutzen. Dass die Vier orange ist zum Beispiel, oder dass der Dienstag sich grün anfühlt. Das klingt nach Fantasie, ist es aber oft nicht. Dahinter steckt ein Wahrnehmungsphänomen mit eigenem Namen: Synästhesie. Und im Autismus-Spektrum kommt es deutlich häufiger vor als sonst.
Was passiert bei Synästhesie?
Zwei Sinne werden miteinander verknüpft. Wenn jemand einen Buchstaben sieht, nimmt er gleichzeitig eine Farbe wahr, obwohl auf dem Papier nur schwarze Tinte zu sehen ist. Bei anderen lösen Geräusche Farben aus; wieder andere ordnen den Wochentagen bestimmte Orte im Raum zu. Diese Assoziationen sind stabil und bleiben über Jahre hinweg gleich – sie werden nicht jedes Mal neu erfunden. Für die Betroffenen ist das ganz normal – viele merken erst später, dass andere Menschen die Welt auch anders erleben können.
Wie eindeutig ist der Zusammenhang mit Autismus?
Eine Studie aus Cambridge hat dies erstmals systematisch untersucht. Die Forscher befragten 164 Erwachsene mit Autismus und 97 Personen in einer Kontrollgruppe. Unter den Teilnehmern mit Autismus wiesen 18,9 Prozent Synästhesie auf, verglichen mit 7,22 Prozent in der Kontrollgruppe. Das bedeutet, dass sie im Autismus-Spektrum fast dreimal so häufig auftritt. Die Forscher vermuten einen gemeinsamen zugrunde liegenden Mechanismus: eine besonders dichte Vernetzung von Nervenzellen innerhalb eines kleinen Bereichs. Interessant ist ein weiterer Befund in diesem Zusammenhang: Auch das absolute Gehör tritt bei beiden Zuständen gehäuft auf, was auf einen Zusammenhang auf mehreren Ebenen hindeutet.
Was heißt das für den Alltag?
Zunächst, dass solche Aussagen ernst genommen gehören. Ein Kind, das darauf besteht, dass die Sieben gelb ist, erfindet das selten. Behandlungsbedürftig ist Synästhesie ohnehin nicht, sie gilt als Merkmal der Wahrnehmung. Viele nutzen sie sogar als Gedächtnisstütze, weil sich Namen, Zahlen oder Vokabeln über Farben leichter merken lassen. Aufmerksam werden sollte man, wenn ein Kind bei bestimmten Geräuschen überfordert wirkt, denn wo mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen, wird es schneller viel. Ansonsten lohnt sich vor allem Neugier. Fragen Sie ruhig nach, welche Farbe der Montag hat. Für ein Kind, das sonst oft erklären muss, warum es anders wahrnimmt, ist echtes Interesse eine seltene Erfahrung.
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Wer versteht, wie ein Kind wahrnimmt, versteht auch besser, was es im Alltag braucht. Wie wir dabei arbeiten, steht auf unserer Seite zur Autismustherapie. Eine Therapie können Sie hier direkt anfragen.
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