Warum Kleidung bei Autismus zum Problem wird

Autismus und Kleidung: wenn Stoffe auf der Haut kratzen

22.07.2026
Ein kratzender Kragen oder eine Naht kann ein Kind den ganzen Tag begleiten – auch wenn sonst niemand etwas davon merkt.
Ein kratzender Kragen oder eine Naht kann ein Kind den ganzen Tag begleiten – auch wenn sonst niemand etwas davon merkt.

Manche Kinder ziehen einen neuen Pullover ein einziges Mal an und wollen ihn danach nie wieder sehen. Andere schneiden bei jedem Kleidungsstück als Erstes das Etikett heraus oder weigern sich, bestimmte Stoffe überhaupt anzuziehen. Bei vielen autistischen Kindern liegt das an einer Haut, die Berührungen deutlich intensiver wahrnimmt als gewöhnlich.

Warum reagiert die Haut so stark?
Bei vielen autistischen Menschen verarbeitet das Nervensystem Berührungen intensiver als üblich. Ein Etikett im Nacken, eine Naht an der Zehe oder ein Stoff, der sich für andere völlig normal anfühlt, kann zu einem dauernden Kratzen werden, das den ganzen Tag nicht aufhört. Diese taktile Überempfindlichkeit ist gut beschrieben und betrifft längst nicht nur Oberteile. Häufig geht es auch um Etiketten in der Unterwäsche, um enge Bündchen oder um Materialien wie Wolle, die auf der Haut piksen. Für das Kind ist dieser Reiz echt und ständig da – auch wenn ihn sonst niemand bemerkt.

Wie sieht das im Alltag aus?
Morgens beim Anziehen zeigt sich das oft am deutlichsten. Ein Kind weigert sich, die Jacke zu schließen, weil der Reißverschluss am Kinn kratzt. Ein anderes zieht ständig die Socken aus, weil die Naht an den Zehen drückt. Und manchmal kommt der Wutanfall scheinbar aus dem Nichts, dabei war es die Jeans, die seit Stunden in der Kniekehle zwickt. Wer das für Theater hält und mit Druck reagiert, fährt Gefahr Dinge unnötig komplizierter und schwieriger zu machen.

Was hilft beim Anziehen?
Vieles lässt sich mit kleinen Anpassungen entschärfen. Nahtlose Socken, aufgedruckte statt eingenähte Etiketten und weiche Baumwolle nehmen schon einen Großteil des Drucks raus, oder Hosen mit elastischem Bund ohne kratzende Gummikante. Oft hilft es auch, neue Sachen einmal zu waschen, bevor das Kind sie trägt, weil der Stoff danach weicher ist. Und wenn ein Kind monatelang dasselbe T-Shirt tragen will, ist das selten ein Problem, das man bekämpfen muss. Meistens hat es damit eine Lösung gefunden, die für seinen Körper funktioniert. Wer beim Einkaufen mitentscheiden lässt, was sich gut anfühlt, erspart sich später viele Konflikte.

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