Erst sind es Bauchschmerzen am Morgen, dann immer längere Diskussionen an der Haustür, irgendwann bleibt das Kind ganz zu Hause. Was als einzelner schwerer Schultag beginnt, wird bei manchen Kindern zu einem Muster, das sich nur schwer wieder auflöst. Fachlich nennt man das Schulabsentismus. Bei autistischen Kindern steckt oft eine ganz eigene Ursache dahinter, die im Eifer des Gefechts schnell übersehen wird.
Was bedeutet Schulabsentismus?
Der Begriff fasst ganz unterschiedliche Formen zusammen, in denen ein Kind nicht in die Schule geht, vom gelegentlichen Fehlen bis zum vsollständigen Abbruch. Dahinter steht kein einheitliches Krankheitsbild. Gemeint ist ein ganzes Spektrum an Formen und Schweregraden von Schulmeidung. In der Praxis wird dabei schnell von Schulangst gesprochen, und bei vielen Kindern trifft das auch zu. Bei autistischen Kindern greift diese Erklärung aber häufig zu kurz.
Warum trifft es autistische Kinder so oft?
Weil hinter dem Fernbleiben oft weniger die Angst steht als eine Überlastung des Nervensystems. Schule ist meist laut und grell, die Räume sind eng, und dazu kommen ständige Wechsel zwischen Aktivitäten. Für ein autistisches Kind, das Reize ohnehin ungefiltert aufnimmt, summiert sich das über den Tag. Kleine Veränderungen, die andere kaum bemerken, wiegen dabei schwer: ein Lehrerwechsel, eine neue Sitzordnung, der Übergang von der Grund- auf die weiterführende Schule. Wenn das System immer wieder an seine Grenze kommt , beginnt das Kind, die Schule zu meiden. Von außen sieht das nach Verweigerung oder Angst aus, und genau dieser Fehlschluss führt dazu, dass am Falschen angesetzt wird. Studien deuten darauf hin, dass bis zu ein Drittel der autistischen Kinder Erfahrungen mit Schulvermeidung macht.
Was hilft, bevor es zum Abbruch kommt?
Am wichtigsten ist, früh hinzuschauen. Morgendliche Kämpfe, wiederkehrende Bauch- oder Kopfschmerzen ohne klaren körperlichen Befund und ein Kind, das nach der Schule nur noch erschöpft ist, sind Signale, die man ernst nehmen sollte. Hilfreich ist alles, was die Reizlast senkt und den Tag vorhersehbar macht: Änderungen früh ankündigen, einen ruhigen Rückzugsort anbieten, die sensorische Umgebung anpassen. Eine Schulbegleitungkann hier viel abfedern, indem sie das Kind durch genau diese kritischen Momente trägt. Der erste Reflex ist oft, die vermeintliche Angst therapieren zu wollen. Weiter kommt man mit der Frage, was das Kind an diesem Ort eigentlich überfordert. Und je früher das passiert, desto besser, denn wenn ein Kind die Schule einmal ganz abgebrochen hat, ist der Weg zurück ungleich schwerer.
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