Ein Jugendlicher, der jahrelang gute Leistungen in der Schule erbracht hat, schafft es plötzlich kaum noch, aus dem Bett zu kommen. Er redet weniger als früher, vergisst Termine und hält den Lärm in der Mensa nicht einmal zehn Minuten lang aus. Das sieht nach einer Depression aus und wird oft auch als solche diagnostiziert. Doch gerade bei Menschen mit Autismus kann etwas anderes dahinterstecken.
Was genau ist ein autistischer Burnout?
Es handelt sich um eine tiefe Erschöpfung, die sich über Monate hinweg aufgebaut hat und in vielen Fällen länger als drei Monate andauert. Am auffälligsten ist, dass Fähigkeiten, die einst als selbstverständlich galten, nach und nach schwinden. Jemand, der früher gerne ausführlich über Dinge gesprochen hat, kann nun kaum noch einen Satz zusammenbringen. Das Packen eines Schulrucksacks wird zu einer quasi unüberwindbaren Aufgabe. Zudem sinkt die Reizschwelle, und Licht sowie andere Geräusche werden schnell unerträglich. Dies hat sich über einen langen Zeitraum des Ungleichgewichts zwischen äusseren Anforderungen und den tatsächlich verfügbaren Ressourcen entwickelt. Der grösste Einzelfaktor ist das „Masking“ – also das ständige Bemühen, im Alltag unauffällig zu wirken.
Wie lässt sich der Unterschied zu einer Depression erkennen?
Bei einer Depression stehen oft Hoffnungslosigkeit und Gefühle der Wertlosigkeit im Vordergrund. Beim autistischen Burnout dreht sich alles um Überforderung und das dringende Bedürfnis, äussere Reize zu reduzieren. Traurigkeit muss dabei nicht immer eine Rolle spielen. Auch das Ausmaß ist unterschiedlich, denn klassisches Burnout ist an die Arbeit oder die Schule gebunden, während diese Erschöpfung alle Lebensbereiche betrifft und bereits in der Kindheit auftreten kann. Die Unterscheidung ist vor allem für die Behandlung wichtig, da eine falsche Einstufung den Zustand verschlimmern kann. Dennoch lassen sich beide nicht vollständig voneinander trennen, da anhaltende Erschöpfung als Risikofaktor für eine spätere Depression gilt.
Was hilft in dieser Situation?
Der erste Schritt besteht darin, den Stress radikal zu reduzieren. In der Schule bedeutet dies oft, dass die Hausaufgaben für eine Weile ausgesetzt werden sollten. Manche Jugendliche kommen erst ab der dritten Schulstunde oder besuchen nur bestimmte Fächer, bis sich ihr Zustand stabilisiert hat. Solche Maßnahmen sollten schriftlich festgehalten werden – etwa im Nachteilsausgleich oder im Förderplan – damit nicht jede Lehrkraft neu entscheiden muss. Später verlagert sich der Fokus darauf, das „Maskieren“ zu erkennen und schrittweise zu reduzieren. Viele Schüler führen über mehrere Wochen hinweg eine Art Protokoll, in dem sie notieren, was ihnen Energie raubt und was sie wieder auflädt. Die Einstellung dazu ist entscheidend. Wer diesen Rückzug als mangelndes Interesse an der Schule interpretiert, verstärkt nur den Druck, der überhaupt erst zur Erschöpfung geführt hat.
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Wenn einem Jugendlichen die Kraft ausgeht, ist die richtige Einordnung oft der entscheidende erste Schritt. Wie wir dabei arbeiten, steht auf unserer Seite zur Autismustherapie. Eine Therapie können Sie hier direkt anfragen.
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