Ein Kind räumt sein Zimmer auf, ohne dass jemand es sagen muss. Es meldet sich selten zu Wort, macht in der Schule keine Probleme und erzählt zu Hause kaum, was es beschäftigt. In Familien mit einem autistischen Kind sind es oft die Geschwister, die so funktionieren. Und genau deshalb fallen sie kaum auf.
Warum geraten Geschwister so leicht aus dem Blick?
Weil in diesen Familien schlicht viel Kraft an einer Stelle gebunden ist. Ein großer Teil von Zeit, Energie, Aufmerksamkeit und häufig auch Geld fließt in die Begleitung des autistischen Kindes, in Termine, Anträge und die Bewältigung schwieriger Tage. Die Geschwister rutschen dadurch an den Rand, ohne dass es jemand beabsichtigt. Viele merken das früh und stellen ihre eigenen Wünsche zurück. Sie fragen nicht nach, weil die Eltern ohnehin genug zu tragen haben.
Was beschäftigt diese Kinder wirklich?
Häufig ein Gemisch, das sich schlecht aussprechen lässt. Da ist echte Zuneigung zum Bruder oder zur Schwester und gleichzeitig Ärger darüber, dass ein Ausflug wieder abgebrochen wurde. Dazu kommt oft ein schlechtes Gewissen wegen genau dieses Ärgers. Manche schämen sich in der Öffentlichkeit für einen Meltdown und schämen sich anschließend dafür, dass sie sich geschämt haben. Andere übernehmen früh Verantwortung und werden zur zweiten Betreuungsperson, obwohl sie selbst noch Kind sind. Nach außen wirkt das reif und unkompliziert, innen kostet es viel.
Was hilft Geschwisterkindern?
Zeit allein mit den Eltern gehört zum Wirksamsten überhaupt, auch wenn es nur eine halbe Stunde ohne das autistische Geschwisterkind ist. Wichtig ist außerdem, dass negative Gefühle Platz haben dürfen. Ein Kind, das sagen darf „heute nervt er mich total“, muss dieses Gefühl nicht heimlich mit sich herumtragen. Hilfreich sind auch Erklärungen, die zum Alter passen, denn wer versteht, warum der Bruder bestimmte Geräusche nicht aushält, kann das besser einordnen. Und es lohnt sich, nach Geschwistergruppen oder Freizeitangeboten zu schauen, wie sie einige Regionalverbände anbieten. JuCare bietet in den Ferien beispielsweise solche Geschwisterworkshops an.
Mehr von JuCare?
In Familien mit einem autistischen Kind bleibt für die Geschwister oft wenig Raum – meist ohne dass es jemand merkt. Auf unserer Seite zur Autismustherapie steht, wie wir Familien dabei begleiten. Und wenn Sie erst mal nur eine Frage haben, schreiben Sie uns gerne! Regelmäßige Einblicke rund um Autismus gibt es in unserem Newsletter und auf Instagram.








