Für die meisten Familien sind die Sommerferien der schönste Moment im Jahr, endlich Zeit ohne Wecker und Stundenplan. Für viele autistische Kinder verschwindet damit aber genau das, was ihnen den Alltag über Halt gegeben hat. Wenn die verlässliche Struktur des Schultags wegfällt, wird ausgerechnet die freie Zeit, auf die sich alle anderen freuen, zur schwierigsten Zeit des Jahres.
Warum sind ausgerechnet die Ferien so schwer?
Im Schuljahr gibt der Tag von allein einen Rahmen vor, und der hilft vielen autistischen Kindern, überhaupt durch den Tag zu kommen. In den Ferien ist jeder Tag ein leeres Blatt. Dazu kommt im Urlaub eine fremde Umgebung, in der plötzlich alles anders ist: das Zimmer riecht ungewohnt, das Bett fühlt sich falsch an, und am Strand ist es laut und viel zu voll. Für ein Kind, das Reize ohnehin ungefiltert aufnimmt, ist das eine enorme Last auf einmal. Was für die Familie Erholung sein soll, fühlt sich für das Kind über Tage wie Dauerstress an. Und wenn diese Anspannung sich nirgends abbauen kann, endet der schöne Ausflug schnell in einem Meltdown mitten am Strand.
Wie viel Struktur tut den Ferien gut?
Es hilft, ein paar feste Anker mitzunehmen. Wenn das Kind auch im Urlaub ungefähr zur gleichen Zeit isst und schläft und ein paar vertraute Rituale bleiben, gibt ihm das Halt in der fremden Umgebung. Vielen Kindern nimmt es außerdem die Angst, wenn sie schon vorher wissen, was auf sie zukommt. Ein paar gemeinsam angeschaute Fotos vom Ferienhaus oder ein grober Ablauf für die Woche machen aus dem großen Unbekannten etwas Vorstellbares. Um eine durchgeplante Woche geht es dabei nicht. Es reicht, dass genug Verlässlichkeit bleibt, damit das Kind sich sicher fühlt.
Was hilft unterwegs und am Urlaubsort?
Ist ein Kind geräuschempfindlich, sind Kopfhörer im Gepäck oft Gold wert, bei greller Sonne eine Kappe, und ein vertrautes Kuscheltier kommt sowieso mit. Beim Reiseziel selbst zahlt sich Ruhe aus, denn ein kleiner Ort in der Nebensaison ist für viele Kinder leichter zu ertragen als der überfüllte Strand im Hochsommer. Genauso wichtig sind bewusste Pausen und ein Rückzugsort, an den sich das Kind zurückziehen kann, sobald es zu viel wird. Und die eigene Erholung sollten Eltern dabei nicht vergessen, denn die geht im Trubel oft als Erstes unter. Am Ende darf ein gelungener Urlaub mit autistischem Kind ruhig kleiner ausfallen als der aus dem Reiseprospekt. Solange abends alle einigermaßen zufrieden ins Bett fallen, war er genau richtig.
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