Warum schriftliche Kommunikation bei Autismus oft besser funktioniert

Warum viele autistische Kinder lieber schreiben als reden

Autistisches Kind schreibt lieber als es spricht.

Ein Kind, das im Gespräch kaum einen Satz herausbekommt, schreibt abends Nachrichten an seine Mutter welche präzise, vollständig und sogar manchmal mit Wortwitz. Dieser Unterschied in der Kommunikation kann zu Verwirrung führen. Jedoch ist es so das schriftliche Kommunikation bei Autismus häufig besser funktioniert als gesprochene. Der Grund hat hierbei wenig mit der eigentlichen Sprachfähigkeit zutun.

Was macht Sprechen eigentlich so anstrengend?
Gesprochene Sprache verlangt, dass man viele Dinge gleichzeitig tut. Man muss den Inhalt im Kopf formulieren, während man den Gesichtsausdruck des Gegenübers liest, den eigenen Tonfall steuert, Hintergrundgeräusche ausblendet und dann noch den richtigen Moment für die Antwort findet. Für viele autistische Menschen beanspruchen diese Teilaufgaben das selbe knappe Zeitfenster – wenn eine davon stockt, können oft alle stocken.
Beim Schreiben fällt das meiste davon weg. Man hat Zeit, eine Formulierung zu überdenken, kann korrigieren, muss keinen Blickkontakt halten und wird nicht unterbrochen. Das Ergebnis ist häufig präziser und ehrlicher da die oben genannten Teilaufgaben welche gleichzeitig gelöst werden müssen größtenteils wegfallen.

Autistisches Kind sitzt am Schreibtisch und schreibt etwas in ein Heft.

Und was folgt daraus für den Schulalltag?
Das heißt nicht, dass man aufs Sprechen verzichten sollte. Es bedeutet eher, dass man aufhören könnte, gesprochene Sprache als die einzig gültige Form zu behandeln oder sie zu forcieren. Ein Kind, das seinen Gedanken schriftlich besser Ausdruck geben kann, weicht damit nicht aus – es wählt den Weg, der am besten funktioniert. In der Schule  könnte das heißen: schriftliche Antworten gleichwertig zulassen oder höhere Wertung zu geben. Lehrkräfte könnten dazu sensibilisiert werden, dass ein zurückhaltendes Kind in der Klasse nicht unbedingt am Verständnis des Lehrmaterials scheitert sondern an der Fähigkeit das erlernte mündlich zu kommunizieren.

Nicht jedes autistische Kind bevorzugt Schrift denn manche reden ausgesprochen gern. Aber für die, bei denen es andersherums ist, macht es einen erheblichen Unterschied, ob die Umgebung ihnen den Kanal lässt, der passt – oder ob sie sich dauerhaft durch einen quälen müssen, der ihnen Energie kostet, ohne etwas zurückzugeben.

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Quellen:

Müller, L.: Asperger & Kommunikation.
Diversara – Zentrum für Neurodivergenz und Trauma: Kommunikation Autismus: So klappt es besser im Alltag mit deinem Kind.

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