Wie verbreitet sind motorische Schwierigkeiten bei Autismus?

Motorische Schwierigkeiten bei Autismus im Sportunterricht

24.09.2026
Bewegungen abschauen und sofort nachmachen – genau das kostet viele autistische Kinder deutlich mehr Zeit.
Bewegungen abschauen und sofort nachmachen – genau das kostet viele autistische Kinder deutlich mehr Zeit.

Beim Völkerball wird ein Kind immer als Letztes gewählt. Es fängt den Ball selten, beim rückwärts Laufen gerät es ins Stolpern, und in der Umkleide sitzt es noch an den Schnürsenkeln, wenn die anderen längst in der Halle sind. Für Lehrkräfte kann das schnell nach Faulheit oder fehlender Motivation aussehen. Bei vielen autistischen Kindern steckt etwas dahinter, worüber kaum gesprochen wird.

Wie verbreitet sind motorische Schwierigkeiten wirklich?
Deutlich verbreiteter als die meisten denken. Neuere Schätzungen gehen davon aus, dass bei bis zu 87 Prozent der autistischen Menschen motorische Schwierigkeiten festgestellt werden können. Das Spektrum reicht vom auffälligen Gangbild über Schwierigkeiten beim Fangen und Werfen bis hin zu einer kaum leserlichen Handschrift. Trotzdem zählt das bis heute nicht zu den Kernmerkmalen von Autismus und gehört zu den am wenigsten beachteten Themen überhaupt. Behandelt wird es ebenfalls selten. Nach vorliegenden Zahlen bekommt nur etwa ein Drittel der betroffenen Kinder überhaupt Unterstützung dafür.

Was fällt im Sportunterricht besonders schwer?
Vieles läuft im Sport über Bewegungen, die abgeschaut und sofort nachgemacht werden sollen. Genau das ist für viele autistische Kinder anstrengend, weil das Planen und Organisieren von Bewegungsabläufen zusätzliche Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Ein neues Bewegungsmuster sitzt deshalb später, und bis es automatisch abläuft, dauert es länger als bei den Mitschülern. Dazu kommt die Geräuschkulisse der Halle: der Hall, die Pfiffe und die Bälle, die aus verschiedenen Richtungen kommen. Wer ohnehin Schwierigkeiten hat, Sinneseindrücke und Bewegung miteinander zu koordinieren, steht dadurch vor einer zusätzlichen Herausforderung. Und weil ein Kind bei Ballspielen immer wieder als Letztes gewählt wird, wächst irgendwann die Lust, ganz auszusteigen. Damit fallen ausgerechnet die Gelegenheiten weg, bei denen sonst nebenbei Kontakte entstehen.

Was hilft im Schulalltag?
Am meisten hilft die Erkenntnis, dass hier eine echte Schwierigkeit vorliegt und keine Bequemlichkeit. Wenn eine Lehrkraft das weiß, verändert sich der Umgang: Bewegungen werden langsamer vorgemacht und in einzelne Schritte zerlegt, ein Kind bekommt mehr Zeit zum Üben, und beim Mannschaftswählen entscheidet nicht die Reihenfolge über den Rest der Stunde.

Eine Schulbegleitung kann dabei viel auffangen, indem sie Abläufe vorher mit dem Kind durchgeht und bereits in der Umkleide unterstützt, wo die Schwierigkeiten oft schon beginnen. Bei ausgeprägten Schwierigkeiten lohnt sich der Blick auf Ergotherapie oder Physiotherapie, denn nachweislich bekommen längst nicht alle Kinder die Unterstützung, die ihnen zusteht. Und manchmal ist ein angepasstes Angebot außerhalb des Ballspiels der bessere Weg, damit ein Kind Bewegung wieder mit etwas Gutem verbindet.

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Gerade im Sportunterricht entscheidet oft die Begleitung darüber, ob ein Kind dabeibleibt oder aussteigt. Wie wir das umsetzen, steht auf unserer Seite zur Schulbegleitung. Wenn Sie für Ihr Kind eine Schulbegleitung suchen, können Sie sich hier direkt an uns wenden!

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